Die Kirche Santa Trinita, gegenüber vom Palazzo Spini, wurde von den Vallombrosanern im 11. Jh. gegründet (als sie noch außerhalb der Stadtmauern stand) und von vielen der wohlhabendsten Familien in Florenz gefördert. Aus diesem Grunde wurde sie auch viele Male umgebaut und kann nun als hervorragendes Beispiel in einem Kurs in italienischer Kunstgeschichte herangezogen werden. Beginnen wir von außen mit der Fassade, die der eleganten Spätrenaissance zuzurechnen ist und von Buontalenti stammt. Sobald Sie jedoch die Kirche betreten und sich umdrehen, blicken Sie auf ein reizvolles romanisches Mauerwerk, das während der Restaurierung um die Jahrhundertwende entdeckt wurde. Während derselben Restaurierung wurden auch der Originalfußboden der Kirche aus dem 11. Jh. unter dem vorhandenen Fußboden sowie eine Krypta entdeckt. Obwohl sich die aufgefundenen Fußbodenmosaike nun im Palazzo del Bargello befinden, stehen die Säulenkapitelle der Krypta noch in der Kirche. Die Krypta ist üblicherweise aus Sicherheitsgründen geschlossen, daher müssen Sie für einen Besuch einen Termin mit dem Wärter ausmachen (Er wird vermutlich sagen, dass Sie an einem anderen Tag wiederkommen sollen – geben Sie ihm ein Trinkgeld!). Seitlich vom Haupttor sind auch zwei wunderschön gemeißelte Grabmäler zu sehen (die Gebeine wurden in das Beinhaus der Kirche verlagert, als die Mosaiksteine entfernt wurden).
Die vierte Kapelle zur Rechten zeigt Heilige, Propheten und das Leben Marias (1420-25) von Lorenzo Monaco sowie seine Verkündung. Die Kapelle ist interessant, da Lorenzo verschiedene Stile mischt – mit einem überraschend ansprechenden Ergebnis. Die Verkündung am Altarbild ist der Hochgotik zuzuschreiben, mit stilisierten Figuren (überzeugend ausgeführt) auf einem gleichermaßen stilisierten Hintergrund. Die Fresken an den Wänden zeigen jedoch, dass Lorenzo sich sehr wohl den neuen Entwicklungen in der Malerei, die Masaccio eingeführt hatte, bewusst war. Sie bezeugen sein Verständnis für den neu aufkommenden Stil der Renaissance: Er malte natürlich aussehende Personen, die fest mit ihrem Hintergrund verbunden sind.
Weiter in das rechte Querschiff, wo man sich der Hochrenaissance gegenübersieht. Domenico Ghirlandaios geschickter Umgang mit dem Pinsel ist erstaunlich – man vermeint beinahe, ein Lüftchen würde gleich durch die Äste der Bäume streichen oder durch die dünnen Schleier der Damen. Die Mauer des Querschiffs, über der Kapelle, zeigt David sowie „Die Tiburtinische Sibylle berichtet Augustus von der Geburt des Erlösers“. Die Kapelle der Familie Sassetti, die rechte der beiden Kapellen, zeigt Szenen aus dem Leben des Hl. Franziskus. Im Hintergrund der „Bestätigung der Regeln des Hl. Franziskus durch Papst Honorius III.“ (in der Lünette) finden sich der Palazzo Vecchio und die Loggia della Signoria von Orcagna, während Lorenzo der Prächtige und der Stifter Sassetti rechts im Vordergrund zu sehen sind, sowie des Weiteren auch Agnolo Polizziano, der die Söhne Lorenzos (Piero, Giovanni und Giuliano) die Treppe hinaufgeleitet. Links legt der Hl. Franziskus seinen Habit ab und rechts, in einem Fresko, das Domenico Ghirlandaios Bruder Davide zugeschrieben wird, unterzieht er sich einer Feuerprobe vor dem Sultan (Franziskus schloss sich einem Kreuzzug an, von dem er voller Entsetzen zurückkehrte). Eine Ebene tiefer empfängt er links die Wundmale Christi vor einer realistischen Darstellung des Santuario della Verna, einem Franziskanerkloster in den Bergen zwischen Florenz und Arezzo. Die wundersame Wiederbelebung des aus dem Fenster gefallenen Jungen findet in der Piazza Santa Trinita statt und Sassettis Kinder fallen auf die Knie (links). Bemerkenswert ist hier die alte romanische Fassade sowie die Ponte Santa Trinita, wie sie vor dem großen Hochwasser im Jahre 1557 aussah. Der Tod des Heiligen ist rechts abgebildet. Die Grabmäler von Francesco Sassetti und seiner Frau Nera Corsi finden sich in der Kirche, ebenso wie eine kniende Darstellung der beiden mit Blickrichtung zum Altar.
Das Altarbild mit Domenico Ghirlandaios Anbetung der Hirten ist einfach wunderschön. Es handelt sich auch um ein recht bedeutendes Werk, da er antike Elemente einarbeitete, wie den Steintrog in Form eines Sarkophags und die korinthischen Säulen (eine davon datiert mit 1485), die das Dach der Hütte stützen, und auch die Posen der Hirten an jene des Triptychons des flämischen Meisters Van der Goes (nun in den Uffizien) anlehnte. Dies beweist das neu erwachte Interesse an der Antike, das als eines der Merkmale der Hochrenaissance gilt, und vermittelt auch eine Vorstellung davon, welchen Einfluss der flämische Stil auf die großen Meister hatte.
Die Sakristei zur Rechten führt uns einen Schritt zurück. Obwohl Abt Baldini die ganze Kirche im Jahre 1685 tünchen ließ, um „seine Liebe für sie zum Ausdruck zu bringen“, blieben einige Fresken aus dem frühen 14. Jh. erhalten und wurden während der Restaurierung nach dem Hochwasser von 1966 hierher verlegt, einschließlich ein Noli me Tangere („Halte mich nicht auf“ sagt Jesus zu Maria Magdalena, als sie das Grabmal verlässt; wird häufig fälschlicherweise als „Rühre mich nicht an“ übersetzt) von Puccio Capanna, eine Pieta sowie eine Kreuzigung, die eindeutig jener von Giotto nachempfunden ist. Vergleichen Sie die unnatürlichen Figuren, bei denen man sich fragt, wie ein menschlicher Körper bloß unter die Kleiderfalten passen kann, und die einfachen, beinahe surrealen Landschaften, mit jenen von Ghirlandaio – die beiden könnten fast aus völlig anderen Welten stammen!
Zurück zum rechten Querschiff: Das Kruzifix in der Kapelle links von der Sassetti-Kapelle ist als Kruzifix des Hl. Johannes Gualbertus bekannt, da Jesus dem Heiligen zustimmend zugenickt haben soll, als dieser dem Mörder seines Bruders Vergebung gewährte. Der Reliquienschrein aus Kristall am Altar beinhaltet ein Fragment jener Säule, an die Jesus angebunden war, als er ausgepeitscht wurde.
Die den Hauptaltar umgebenden Fresken wurden auf das trockene Mauerwerk gemalt, übriggeblieben sind nur die Erzväter an der Decke: Noah, Abraham, Moses und David. Das Kruzifix von Cimabue, das einst über dem sehr ansprechenden Altar aus dem 15. Jh. hing, findet sich nun in der Accademia. Mit der ersten Kapelle zur Linken, der Cappella di San Pietro, befinden wir uns plötzlich in der Barockzeit. Jesus geht auf dem Wasser, um Petrus zu retten (rechts) und Petrus hält die Schlüssel zum Himmelreich (links). Der Kontrast zwischen dem bronzenen Jesus von Felice Palma und dem tiefschwarzen Stein hinter dem Altar ist faszinierend.
In der nächsten Kapelle finden sich die Enthauptung eines Heiligen sowie die Häutung des Hl. Bartholomäus, von Giovanni del Ponte, und links das Grabmal von Bischof Benozzo Federighi, eines der Meisterwerke von Luca della Robbia.
Zurück zur Kirchenfront: In der ersten Kapelle rechts findet sich eine hübsche Statue der reuigen Maria Magdalena, bekleidet nur mit ihrem Haar, die Desiderio da Settignano begonnen hatte und von Benedetto da Maiano um ca. 1464 fertiggestellt wurde. Zwei Kapellen weiter findet sich die Cappella di Santa Caterina, mit Szenen aus dem Leben der Hl. Katharina von Siena an den Wänden, sowie eine Verkündung von Neri di Bicci (bemerkenswert ist die Verdrängung aus dem Paradies im Hintergrund). Obwohl das Bild etwa gleich alt ist wie jenes von Lorenzo Monaco in der Cappella dell'Annunziata (gegenüber des Gangs), war Neri bei weitem weniger begabt und musste seine extrem stilisierten Figuren krümmen, damit sie in ein Gebäude passten, das viel zu klein für sie war. |